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Giftschlamm-Unglück: Fabrikchef festgenommen

Die Helfer in Ungarn müssen Masken und Schutzbrillen tragen.
Montag, 11. Oktober 2010
Kolontar - Eine Woche nach dem Giftschlamm-Unglück greift die ungarische Regierung hart durch. Der Generaldirektor der Ungarischen Aluminium-AG (MAL) wurde festgenommen. Die Behörde beantragte für den Top-Manager Untersuchungshaft.
Zur Eröffnung der wöchentlichen Parlamentssitzung am Montag gab der rechtskonservative Regierungschef Viktor Orban bekannt, dass der Staat die MAL, die privaten ungarischen Eigentümern gehört, in seinen Besitz bringen und selbst weiterführen will.

Orban sagte weiter, die Opfer der Katastrophe müssten Schadenersatz erhalten. Die Arbeitsplätze in dem Werk sollten erhalten bleiben. Zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und weitere potenziell gefährliche Standorte erkannt werden.

Gesetz im Parlament

Bis diese vier Punkte erfüllt seien, müsse das Vermögen der Firma eingefroren werden. Ein Gesetz zur Wiederverstaatlichung der MAL könnte noch Anfang Woche vom Parlament gebilligt werden. Orbans Regierungspartei Bund Junger Demokraten FIDESZ verfügt in der Volksvertretung über eine komfortable Zweidrittelmehrheit.

Das Unternehmen befindet sich im Besitz ungarischer Geschäftsleute, die bei der Privatisierung der Aluminiumindustrie in den neunziger Jahren dank ihrer politischen Beziehungen zum Zug gekommen waren.

Der festgenommene Generaldirektor ist der Sohn eines der Mitbesitzer. Dem Betreiber des Aluminiumwerks droht nach Regierungsangaben eine Geldbusse in Höhe von 73 Millionen Euro.

Ökosysteme zerstört

Am Montag vergangener Woche war ein Abfallbecken der MAL im westungarischen Ajka geborsten. Fast eine Million Kubikmeter Bauxitschlamm liefen aus und überschwemmten mehrere Dörfer. Während die Ökosysteme der Flüsse Marcal und Torna völlig zerstört wurden, blieb die Donau weitgehend verschont.

Eine Woche nach dem Unfall fanden Einsatzkräfte in der Ortschaft Devecser die Leiche eines achten Todesopfers. Wie der ungarische Katastrophenschutz mitteilte, wird damit niemand mehr vermisst.

 

fest/sda