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Ungarn verstaatlicht Unglückswerk

Der Unfall gilt als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der Geschichte Ungarns.
Dienstag, 12. Oktober 2010
Budapest - Ungarn hat den Aluminiumkonzern, der das Giftschlamm-Unglück im Westen des Landes vor acht Tagen verursacht haben soll, unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Staatspräsident Pal Schmitt unterzeichnete am Dienstag ein entsprechendes Gesetz.
Das ungarische Parlament hatte in der Nacht zuvor in einem Eilverfahren mit deutlicher Mehrheit für den Gesetzesentwurf über die Verstaatlichung der Firma MAL gestimmt. Insgesamt 336 Parlamentarier nahmen den Text an, es gab nur eine Gegenstimme und 13 Enthaltungen.

Die Kontrolle über die MAL-Gesellschaft wird damit dem ungarischen Staat übertragen. Ausserdem werden die Guthaben der Firma unter Zwangsverwaltung gestellt.

In der von MAL betriebenen Aluminiumfabrik bei Ajka war am 4. Oktober ein Auffangbecken mit hochgiftigem Bauxitschlamm gerissen. Fast eine Million Kubikmeter Schlamm flossen aus, ein 40 Quadratkilometer grosses Gebiet wurde verseucht. Bei dem Unfall waren acht Menschen ums Leben gekommen und 150 weitere verletzt worden.

Neuer Schutzwall

Der Bau eines Schutzwalls um das geborstene Becken war am Dienstag fast beendet. Der neue Deich könne das Dorf Kolontar schon schützen, müsse aber noch mit Steinen verstärkt werden, sagte ein Behördensprecher vor Ort.

Kolontar war ebenso wie mehrere Nachbarorte von dem laugen- und schwermetallhaltigen Schlamm überschwemmt worden. Der Unfall gilt als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der Geschichte Ungarns.

Direktor festgenommen

Die Polizei hatte am Montag den MAL-Generaldirektor Zoltan Bakonyi festgenommen. Nach einem Bericht der Boulevardzeitung «Blikk» soll der Top-Manager um den schlechten Zustand des Bauxitwerkes gewusst haben. Mitarbeiter des Unternehmens hätten ihn in Zeugenaussagen entsprechend belastet.

Die Verantwortung für MAL wurde zunächst dem Leiter der ungarischen Katastrophenschutzbehörde, György Bakondi, übertragen. Bakondi habe nun «vier Sachen zu tun», sagte ein Regierungssprecher vor Journalisten in Budapest.

 

fest/sda