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Tränengas vor geplanter Abfalldeponie in Neapel

Die Müllkrise scheint unlösbar.
Samstag, 24. Mai 2008
Neapel - Der vom neuen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi verfolgte Plan zur Bewältigung der Abfallkrise in Neapel und Umgebung trifft auf starke Widerstände in der Bevölkerung.
Rund tausend Demonstranten versuchten am Freitagabend, den Zugang zu einem Gelände im Nordwesten Neapels zu blockieren, auf dem eine Mülldeponie eingerichtet werden soll. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete von gewalttätigen Auseinandersetzungen, nach Informationen der italienischen Agentur ANSA erlitten drei Demonstranten und sechs Polizisten Verletzungen.

Aus der Menge der Demonstranten, die sich im Stadtteil Chiaiano versammelten, wurden Steine geworfen, die Polizei setzte Tränengas ein. Laut ANSA nahm die Polizei sieben Demonstranten fest. Ein Korrespondent des italienischen Fernsehens RAI sagte, er sei von der Polizei geschlagen und seine Kamera beschlagnahmt worden.

Innenminister Roberto Maroni erklärte, Proteste seien «vorhersehbar» gewesen, jedoch sei es «im Interesse aller», der Abfallkrise ein Ende zu setzen. Die Regierung hatte am Mittwoch in Neapel getagt und eine Serie von Massnahmen beschlossen, um die seit Monaten schwelende Müllkrise zu überwinden.

Zehn Standorte

Chiaiano gehört zu den zehn Standorten, an denen die Müllbeseitigung künftig erfolgen soll. Die vollständige Liste der Standorte soll am Samstag veröffentlicht werden. In Chiaiano hatte es bereits unter der Vorgängerregierung von Romano Prodi Proteste gegeben, nachdem bekannt geworden war, dass dieser Standort für die Abfallbeseitigung ausgewählt wurde.

Berlusconi sagte, die Mülldeponien würden künftig wie «Militärgebiete» behandelt und entsprechend abgesichert. Teile des Abfalls aus Neapel und Umgebung werden derzeit zur Entsorgung nach Deutschland geliefert. Wochenlang lagerten grosse Müllmengen in den Strassen, mit den steigenden Temperaturen wurden sie zuletzt zu einer Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung.

smw/sda