Unklar war das Ausmass der Zerstörungen in Havanna. Bis zuletzt hatte sich die Stadt gegen den Sturm gewappnet. Obwohl er nur noch als Hurrikan der Kategorie eins mit Windgeschwindigkeiten von 130 Kilometern in der Stunde unterwegs war, galt «Ike» als extrem gefährlich.
In Havanna, wo zuvor rund 150'000 Einwohner vor allem aus ufernahen Gebieten in sichere Unterkünfte umquartiert worden waren, wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern gemessen.
4. Hurrikan
«Ike» ist der vierte atlantische Hurrikan dieses Jahres. Von den vier Opfern in Kuba kamen laut Verteidigungsministerium zwei beim Abbau von Antennen durch Stromschläge ums Leben, die beiden anderen starben in den Trümmern ihrer Häuser.
Die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften rief dazu auf, 6,4 Millionen Franken Nothilfe für Kuba bereitzustellen. Der Karibikstaat stehe vor einer «verheerenden» Hurrikan-Saison, teilte die Rot-Kreuz-Föderation in Genf mit. In den kommenden Monaten müssten rund 8000 Familien versorgt werden.
Nach Angaben des Hurrikanzentrums wird der Wirbelsturm über dem Golf von Mexiko nach Westen drehen. Dadurch werden Florida und Louisiana verschont, die bis dahin als bedroht galten. Stattdessen rüsten sich nun die Behörden in Texas und Nordmexiko gegen «Ike».
Nach Angaben des US-Hurrikanzentrums in Miami könnte sich der Sturm über dem Golf von Mexiko wieder verstärken.
Lage in Haiti dramatisch
Dramatisch blieb die Lage auf der anderen grossen Karibikinsel, Hispaniola, wo die Überschwemmungsgebiete in Haiti weiterhin von der Aussenwelt abgeschnitten waren. 66 Menschen kamen dort durch «Ike» ums Leben, 59 davon in der Stadt Cabaret rund 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince.
Damit sind in Haiti seit Mitte August durch die Wirbelstürme «Fay» 50 Tote, «Gustav» 59, «Hanna» 167 und «Ike» 66 mindestens 342 Menschen ums Leben gekommen. Zudem gelten zahlreiche Bewohner als verschollen.
Nach UNO-Angaben sind 800'000 Menschen von den Folgen der Unwetter betroffen. Sie bräuchten dringend Hilfe, sagte die die Sprecherin des UNO-Hilfskoordinationsbüros OCHA, Elisabeth Byrs, in Genf. Haiti ist das ärmste Land in Lateinamerika.
