Über dem warmen Wasser des Golfs gewann der Sturm wieder an Stärke und wurde auf die Kategorie zwei heraufgestuft. Die Ölfirmen im Golf bangten deshalb um ihre Förderanlagen. Die Produktion wurde gestoppt und Arbeiter von den Plattformen in Sicherheit gebracht.
US-Präsident George W. Bush verhängte am Mittwoch den Notstand über den Bundesstaat Texas, während die örtlichen Behörden an der Golfküste die ersten Evakuierungen anordneten. Die US-Luftwaffe und die texanische Nationalgarde flogen Personal, medizinische Produkte und andere Hilfsgüter zum Flughafen Corpus Christi in Süd-Texas.
Kuba ohne Strom
Bevor «Ike» den Golf von Mexiko erreichte, hatte er in Kuba gewütet. Die Antilleninsel war auch am Mittwoch noch fast vollständig ohne Strom: Nach Angaben der staatlichen Behörden hatten 11 der 14 Provinzen keine Elektrizität.
Teilweise habe «Ike» das Stromnetz beschädigt, andernorts habe der nationale Stromversorger das Netz vorsorglich abgeschaltet, hiess es. Nur in den östlichen Provinzen Guantánamo, Santiago de Cuba und Granma gingen am Dienstagabend die Lichter an.
Aufräumarbeiten begonnen
Seit «Ike» am Sonntagabend Ortszeit auf den Osten Kubas traf, starben in dem Karibikstaat laut amtlichen kubanischen Angaben vier Menschen. Sieben weitere Menschen wurden verletzt.
Die Verwüstungen sind beträchtlich. Zehntausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Landwirtschaft und Industrieanlagen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die für das Land extrem wichtige Nickelindustrie musste ihre Produktion vorerst einstellen.
Das Verteidigungsministerium forderte die Menschen auf, sich an den Aufräumarbeiten zu beteiligen. Schulen und Universitäten blieben geschlossen. Lehrer und Professoren sollten die Bedingungen für den Lehrbetrieb wiederherstellen, hiess es.
Über das genaue Ausmass der Zerstörungen auf Kuba gab es auch am Mittwoch keine Angaben. Nach Angaben der Vereinten Nationen bezifferte die Regierung die Schäden auf bis zu vier Milliarden Dollar.
Haiti leidet weiter
Noch weitaus schlimmer ist die Lage der Menschen in Haiti. Noch immer sind die Überschwemmungsgebiete von der Aussenwelt abgeschnitten. Durch die Stürme «Fay», «Gustav», «Hanna» und «Ike» kamen seit Mitte August rund 600 Menschen ums Leben.
Allein in der Stadt Gonaves wurden laut UNO-Angaben als Folge von «Ike» bis Dienstag 101 Tote gefunden. Zudem gelten zahlreiche Bewohner als verschollen. Es droht der Ausbruch von Krankheiten.
Falls die durch den Tropensturm geschädigten Menschen keine massiven Hilfslieferungen erhalten sollten, sei mit gewalttätigen Zusammenstössen und Unruhen zu rechnen, warnte eine Sprecherin der in Haiti stationierten UNO-Soldaten. Dabei werde es mehr Tote geben als durch den Hurrikan.
