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Glaube an die Wasserkraft zurückgekehrt

Die Wasserkraft als erneuerbare, CO2-freie und regulierbare Energie erlebt eine Renaissance.
Sonntag, 6. Mai 2007
Chur - Im Kanton Graubünden ist nach einem zehnjährigen Stillstand der Glaube an die Zukunft der Wasserkraft zurückgekehrt. Die Endzeit-Stimmung ist verflogen: Es wird wieder investiert, denn die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert.
Die Klimaerwärmung durch den CO2-Ausstoss und der prognostizierte Stromengpass spätestens im Jahre 2019 haben die Energieversorgung wieder zuoberst auf die politische Agenda katapultiert. In Graubünden erlebt der Wasserkraft als erneuerbare, CO2-freie und regulierbare Energie eine Renaissance.

Zehn Jahre lang wurde kaum mehr in Kraftwerke investiert. «Weltuntergangsstimmung» habe geherrscht, sagt Karl Heiz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der in der Produktion und im Handel tätigen Rätia Energie in Poschiavo, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.

Strompreise steigen

Es ist nicht nur die CO2-Problematik, die der Wasserkraft Auftrieb verleiht. Die Strompreise sind gestiegen und werden nach Einschätzung der Kraftwerkbetreiber weiter steigen. Die Wirtschaftlichkeit von Investitionen werde dadurch schneller erreicht, sagt Heiz.

Die Rätia Energie investiert im Prättigau rund 50 Millionen Franken in den Anlagenausbau. Ob auch das Projekt im oberen Puschlav mit dem Höherstau des Lago Bianco am Berninapass realisiert wird, ist laut Heiz noch unsicher. Mit Investitionen bis zu 500 Millionen Franken sei das Vorhaben doch «sehr, sehr teuer».

Mit der grossen Kelle rühren die Kraftwerkgesellschaften nicht an. Es wird ergänzt und optimiert. Die Kraftwerke Zervreila verfolgen ein Ausbauprojekt im Lugnez in der Grössenordnung von 100 Millionen Franken. Die Nordostschweizerischen Kraftwerke wollen Anlagen im Albulatal für ebenfalls 100 Millionen Franken erweitern.

Im Unterengadin ist ein grenzüberschreitendes Wasserkraftwerk am Inn zwischen Martina und dem österreichischen Prutz für rund 290 Millionen Euro geplant. Die Projektunterlagen liegen zur Genehmigung bei den Behörden in der Schweiz und in Österreich.

Kantonsregierung für Ausbau

Die Energiegesellschaften schweigen aus Konkurrenzgründen über neue Projekte. «Auch wir erhalten keine Informationen», sagt Peder Plaz vom Wirtschaftsforum Graubünden. Gelegentlich tauchen in der politischen Diskussion frühere Projekte wie der Saisonspeichersee im Val Madris oder das Pumpspeicherwerk im Val Curciusa beim San Bernardinopass auf.

Die Bündner Regierung befürwortet den Ausbau der Wasserkraft. Im kantonalen Richtplan sind Gebiete mit Potenzial für die Nutzung bezeichnet. Baudirektor Stefan Engler schätzt, dass geplante Werke die Stromproduktion in Graubünden um acht Prozent erhöhen, sofern sie gebaut werden, was mit Gesamtinvestitionen von über einer Milliarde Franken verbunden wäre.

Widerstand von den Fischern

Der Widerstand gegen den Ausbau der Wasserkraft und deren Betrieb ist jedoch nicht erlahmt. Der kantonale Fischereiverband wehrt sich gegen die Zerstörung von Lebensräumen für Fische und andere Wasserlebewesen. Energie aus Wasserkraft sei alles andere als ökologisch «rein».

In einer Stellungnahme verweist der Verband auf die schädlichen Auswirkungen von Wasserstandsschwankungen, den gestörten Geschiebehaushalt sowie auf die ungenügend umgesetzten Bestimmungen über die Restwassermengen. Es sei fraglich, ob die Wasserkraft wirklich eine so «reine Weste» habe, wie deren Produzenten behaupteten.