Freitag, 22. Juni 2012
Bern/Rio de Janeiro - Die grossen Schweizer Hilfswerke sind über den Ausgang des UNO-Nachhaltigkeitsgipfels enttäuscht. Es sei eine Chance verpasst worden, sagte ihre Vertreterin in Rio de Janeiro, Isolda Agazzi.
Der nötige Paradigmenwechsel hat nicht stattgefunden, erklärte Agazzi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA am brasilianischen Tagungsort. Die sechs Hilfswerke setzen sich für ein neues Wachstumsmodell ein, welches nicht auf gebräuchliche Indikatoren wie dem Bruttosozialprodukt basiert. Mit dem Abschlussdokument verpflichten sich die Staaten auf das Konzept einer nachhaltigen Wirtschaft, der so genannten Grünen Wirtschaft. In diesem Zusammenhang hätten sie der Privatwirtschaft aber klare Regeln und Grenzen setzen müssen, kritisierte Agazzi.
Positiv ist laut Agazzi, dass das Dokument der Konferenz die gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung von armen und reichen Staaten betont. Wichtig sei auch, dass der Text Prinzipien und Verpflichtungen früherer Nachhaltigkeitsgipfel der Vereinten Nationen bekräftige und auf Menschenrechte Bezug nehme. Die Hilfswerke unterstützen zudem den Plan der Staaten, eine begrenzte Zahl von Nachhaltigkeitszielen zu erarbeiten. Allerdings dürften sich die neuen UNO-Ziele nicht nur auf die Umwelt beziehen. Die Weltgemeinschaft müsse weiterhin versuchen, Armut zu beseitigen.
Isolda Agazzi hat als Vertreterin von Alliance Sud an der Konferenz teilgenommen. Alliance Sud ist eine Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, HEKS, Caritas und Helvetas.