Vor dem brennenden Gebäude spielten sich erschütternde Szenen ab. Angehörige der Insassen flehten an den Mauern des Gefängnisses die Polizei an, die Häftlinge rauszulassen. Insassen gestikulierten verzweifelt aus den vergitterten Fenstern. Die Flammen schlugen aus der Haftanstalt, über dem Gebäude standen dunkle Rauchwolken.
Brand gelegt
Nach offiziellen Angaben wurde der Brand am Morgen absichtlich gelegt, als es in einem der fünf Türme der Anlage zu einem Kampf zwischen Häftlingen kam. In Chile sind die Gefängnisse chronisch überfüllt.
In San Miguel sind laut Polizeiangaben rund 1900 Häftlinge untergebracht. Geplant war die Haftanstalt für 700 Gefangene. «Die Bedingungen in diesem Gefängnis sind absolut unmenschlich», sagte Präsident Sebastian Pinera vor Ort.
Nur fünf Wärter
Lediglich fünf Wärter hätten Aufsicht über die Gefangenen gehabt, sagte Pedro Hernandez, der die Gewerkschaft der chilenischen Gefängniswärter führt. Präsident Pinera sagte, es hätten sich sechs Wärter in den Türmen befunden, in denen die Häftlinge untergebracht sind. Weitere 26 seien in dem Gefängniskomplex stationiert.
Die Behörden konnten bislang nicht sagen, warum so viele Insassen ums Leben kamen oder wie lange die Feuerwehr brauchte, um zu jenem Teil der Anstalt zu kommen, wo der Brand ausgebrochen war.
Verzweifelte Angehörige
Vor dem Gefängnis versammelten sich hunderte verzweifelte Angehörige. Sie verlangten Informationen über das Schicksal der Häftlinge.
Mindestens eine Frau brach zusammen. Andere schrien ihre Verzweiflung und Ohnmacht Journalisten und Polizisten ins Gesicht.
