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Hormonaktive Stoffe im Greifensee?

Wer im Greifensee baden will, sollte sich das vorher ganz genau überlegen.
Auch für Fisch und Vogel könnten die umgewandelten, hormonaktiven Stoffe gefährlich sein.
Mit Hilfe eines Sedimentkerns haben wurde gemessen, wie sich der Eintrag von Flammschutzmittel im Greifensee entwickelt hat.
Dienstag, 26. Juli 2005
Greifensee - Der Greifensee im Kanton Zürich weist starke Belastungen eines Flammschutzmittels auf. Es soll hormonaktive Substanzen enthalten, welche zu Intersexualität und im schlimmsten Fall Unfruchtbarkeit führen könnten.
Auf welchem Weg die Substanz mit der Bezeichnung Deca-BDE in den See gelangt, ist noch unklar.

Ob die rasch steigende Konzentration von Deca-BDE mit zehn Bromatomen wirklich unproblematisch ist, ist laut einer Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds SNF allerdings unklar.

Experimente mit Klärschlamm zeigten, dass sich ein Teil des Stoffes unter gewissen Bedingungen umwandle.

Hormonaktiv?

Diese umgewandelten Stoffe könnten gefährlich sein. "Es könnte sein, dass diese Abbauprodukte hormonaktiv sind", wird Walter Giger, Leiter der Abteilung Chemische Problemstoffe der ETH-Wasserforschungsanstalt Eawag zitiert.

Im Klartext: Der Stoff könnte bei Mensch und Tier zu Unfruchtbarkeit oder zu Gleichgeschlechtlichkeit Intersexualität führen. Im Thunersee wurde bei Fischen ein ähnliches Phänomen mit einem anderen hormonaktiven Stoff beobachtet.

Die Eawag und die Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa untersuchen in einem SNF-Forschungsprogramm drei Flammschutzmittel.

Zwei mit dem am häufigsten verwendeten Deca-BDE verwandte Substanzen Penta-BDE und Octa-BDE stehen im Verdacht, hormonaktiv zu sein.

In der Schweiz sind Penta-BDE und Octa-BDE ab 1. August verboten; in der EU seit 2004. Die Konzentration dieser zwei Stoffe in den Sedimenten des Greifensees ist seit zehn Jahren am Sinken.

Quelle unbekannt

Wie Deca-BDE in die Seen gelangt, wissen die Forscher noch nicht. Abwasser als Transportmittel schliessen sie eher aus. Laut Angaben des Empa-Forschers Martin Kohler könnte mechanischer Abrieb eine Quelle sein.

Sind die Stoffe in der Umwelt, werden sie über die Atmosphäre transportiert.

Flache Seen wie der Greifensee seien stärker belastet als tiefe Seen mit grossem Volumen, sagt Martin Kohler, Leiter der Abteilung organische Chemie der Empa. Der Thunersee weist rund vier Mal tiefere Werte auf als der Greifensee.

Bromierte Flammschutzmittel sind in Haushalten verbreitet. Mit diesen Substanzen werden brennbare Materialien wie Kunststoffe und Textilien feuersicherer gemacht.

bsk/news.ch mit Agenturen