Derzeit seien etwa 22'000 Grauwale im Pazifik unterwegs, schreiben die US-Wissenschaftler. Anhand ihrer Studie von Genmutationen gehen sie davon aus, dass die Population des Tieres vor Beginn der massenhaften Jagd Mitte des 19. Jahrhunderts bei etwa 96'000 gelegen habe.
Neue Bedrohung
«Diese genetischen Erkenntnisse lassen vermuten, dass sich Grauwale nicht vollständig vom Walfang erholt haben», sagte Mit-Autor Steve Palumbi von der Universität Stanford. «Daraus können wir ablesen, dass die Wale nun einer neuen Bedrohung gegenüberstehen: der Veränderung der Ozeane, die ihrer Erholung Grenzen setzt.»
Für ihre Studie haben die Wissenschaftler Mutationen an zehn Abschnitten des Grauwal-Genoms untersucht. Die Spannbreite der Veränderungen am Erbgut erwies sich unerwartet als so gross, dass sie daraus auf eine weitaus umfangreichere Walpopulation als bisher vermutet rückschlossen.
Bisher galt die Erholung der Grauwal-Population im Pazifik nach dem Fangverbot immer als Paradebeispiel für erfolgreichen Tierschutz. Da Walfänger als Feinde derzeit ausscheiden, muss der Grund für die begrenzte Vermehrung anderswo liegen.
Fehlende Nahrung
Einen Grund sehen die Wissenschaftler in der Erderwärmung, die den Vorrat an Nahrung für die Wale in ihrem Hauptverbreitungsgebiet, der nordpazifischen Bering-See, begrenzten.
Dort hatten Wissenschaftler immer wieder ungewöhnlich dünne Tiere entdeckt. Grauwale ernähren sich, indem sie den Meeresgrund aufwühlen und daraus ihre Nahrung filtern.
