Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban besuchte am Donnerstag den besonders betroffenen Ort Kolontar. Der rechtskonservative Regierungschef zeigte sich dort von dem Ausmass der Katastrophe betroffen. «Hier kann man nicht mehr leben», sagte er in dem am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Ortsteil.
«Memento für die Ewigkeit»
«Wahrscheinlich wird man hier im Dorf eine neue Siedlung bauen müssen», sagte Orban. «Das hier wird man voraussichtlich als Memento für die Ewigkeit einzäunen müssen.» Bei einer Dorfversammlung am Vorabend hatte sich die Mehrheit der Betroffenen gegen eine Rückkehr in die verseuchten Häuser ausgesprochen.
Eine giftige Schlammlawine aus einem Bauxitwerk hatte sich am Montag über fünf Ortschaften in Westungarn ergossen. Insgesamt waren rund 40 Quadratkilometer Land betroffen.
In Kolontar waren vier Menschen getötet und rund 150 verletzt worden, als das Speicherbecken der Aluminiumhütte MAL AG barst und ätzender Schlamm ausfloss. Die rote Brühe überschwemmte Häuser, Gärten und Autos. Der Schlamm ist das Abfallprodukt bei der Herstellung von Reinbauxit, aus dem Aluminium gewonnen wird.
Ungarn bittet um EU-Hilfe
Inzwischen bat Ungarn die EU-Partner um Hilfe. Wie ein Kommissionssprecher am Donnerstagabend in Brüssel mitteilte, seien an Ort und Stelle sofort bis zu fünf Experten mit Erfahrung bei solchen Unfällen nötig. Budapest habe dazu den EU-Zivilschutz-Mechanismus ausgelöst.
Die Kommission bat die Teilnehmerländer, Ungarn zu unterstützen. Umweltkatastrophen dieser Art machten nicht an Grenzen halt. An dem Zivilschutz-Mechanismus sind neben den 27 EU-Staaten auch Kroatien, Island, Liechtenstein und Norwegen beteiligt.
