Die Welt bekommt mit der unbequemen Zusammenfassung genau das, was sie 1988 selbst in Auftrag gegeben hat. Damals gründeten die Vereinten Nationen den IPCC, um den Staaten ein klares Bild vom Klimawandel, dessen Folgen und der möglichen Abhilfe zu liefern.
Nun liegt die Zusammenfassung des vierten Reports vor. Demnach bedroht sich die Menschheit selbst mit dem millionenfachen Tod, wenn die Temperatur auf ihrem Planeten weiter steigt.
Verlust an fruchtbarem Land
Dürre in Afrika und Südeuropa, Überschwemmungen der Flussdeltas und der Verlust fruchtbaren Landes in Asien, starke Niederschläge und Stürme in Nordeuropa, das Schwinden des Grönland- und Polareises und der damit verbundene Untergang der kleinen Inselstaaten, mehr Kriege, mehr Infektionskrankheiten, das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten und das Ende ganzer Ökosysteme - die Schreckensliste lässt sich mit dem Blick in den Report seitenweise fortsetzen.
«Wir müssen sofort anfangen»
Der stellvertretende Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe III, Professor Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg, fasst das alles so zusammen: «Ja, der Mensch ist schuld am Klimawandel. Ja, wir können etwas tun. Ja, wir haben bereits jetzt alle Mittel dazu in der Hand. Aber: Wir müssen sofort anfangen.»
Das Problem: Kohlendioxid, das heute aus Motoren, Kraftwerken oder abgeholzten Wäldern strömt, entfaltet seine dramatische Wirkung erst später.
«Wir müssen den Menschen erklären, dass das, was wir gerade tun, noch in 1000 Jahren Wirkung zeigt. Aber dann nützt eine Verhaltensänderung nichts mehr. Wir sind am Scheideweg und stehen vor einem neuen Schritt der Menschwerdung», sagt Hohmeyer.
«Nicht behaupten, man habe nichts gewusst»
Zwei Nachrichten erreichten die Teilnehmer von Valencia morgens über die Zeitungen. Erstens: Eine Studie des Weltenergierates WEC zeigt, das sich der Energiebedarf bis 2050 verdoppeln könnte.
Zweitens: Eine Untersuchung der Universität von Melbourne deutet darauf hin, dass der Klimawandel schneller voranschreitet als bislang angenommen. Gleichzeitig schwinden die immer teurer werdenden Rohstoffe.Das alles steht dem entgegen, was die Umweltschützer, der IPCC und der UNO-Chef fordern: Der CO2-Ausstoss muss so schnell wie möglich und so weit wie möglich verringert werden.
Angesichts der energiehungrigen, sich rasch entwickelnden Staaten wie China und Indien sowie der weiter ablehnenden Haltung der USA scheint derzeit der millionenfache Tod wahrscheinlicher. «Allerdings kann nun niemand mehr behaupten, er habe nichts gewusst», urteilt WWF-Klimachef Hans Verolme in Valencia.
«Alle Schätze retten»
«Es gibt keine Zeit zu verschwenden», lautet einer der weiteren sehr kurzen Sätze Bans an die Adresse der Politiker. Denn nur sie können die nötigen Schlüsse aus dem Bericht der Klimaforscher ziehen, die die aktuellsten, teils noch dramatischeren Warnungen der neuesten Studien dieses Mal noch nicht einmal berücksichtigen konnten.
Für seinen eindringlichen Schlussappell hingegen nimmt sich Ban ein paar Worte mehr. «Wir müssen alle Schätze des Planeten retten, zum Wohl der folgenden Generationen.»
