Es stinkt plötzlich nach Teer, auf der Wasseroberfläche bildet sich ein Ölfilm. Im Delta der Goldach kann immer wieder beobachtet werden, wie Luftblasen aufsteigen. Die Ursache sind Ablagerungen auf dem Seegrund.
Von 1910 bis 1960 entsorgte das Gaswerk Rietli seine Abwässer im Bodensee. Seither sind die Sedimente verschmutzt.
Daniel Müller vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau schätzt die Fläche, die mit teerhaltigen Abfällen verschmutzt ist, auf rund 10'000 Quadratmeter. Zum Teil sei die Teerschicht einen Meter dick.
Kontrolle ist besser
1998 haben die Stadt St. Gallen und der Kanton Thurgau die Teerablagerungen nach 1974 ein zweites Mal mit Hilfe von Tauchern untersuchen lassen; aufgrund der damals in Kraft getretenen neuen Altlastenverordnung wurden die Ablagerungen neu eingeschätzt. Das Resultat: Eine Kontrolle der Abfälle ist besser als sie zu heben.
1974 war ein Teil der Teerablagerungen abgesaugt und verbrannt worden. Oder genauer gesagt: Man hatte versucht, sie zu verbrennen. Laut Müller hatten Personen, die am Verbrennungsprozess beteiligt waren, wegen der Bildung giftiger Gase Gesundheitsprobleme beklagt. Heutzutage wird Gaswerkteer in Sondermüllöfen problemlos entsorgt.
Trotzdem haben sich Umweltexperten entschieden, die Teerabfälle auf dem Seegrund zu lassen. Sie begründen ihren Entscheid damit, dass die Gefahr einer Gewässerverschmutzung beim Heben der Abfälle beträchtlich ist. Zudem seien die verschmutzten Sedimente heute mit Sand und Geröll, das die Goldach anschwemmt, weiträumig zugedeckt.
Die Sedimente werden alle zwei Monate kontrolliert. Zuständig dafür sind die Stadtwerke St. Gallen. Ein Berufsfischer nimmt für sie Wasserproben. Diese werden im spezialisierten Labor BMG Engineering in Zürich geprüft. Der BMG-Chemiker Cédric Arnold sagt: «Es wurde keine signifikant erhöhte Schadstoffmenge festgestellt.»
Das dürfte vor allem die Bevölkerung der Stadt St. Gallen beruhigen: Die Regionale Wasserversorgung RWSG fasst unweit der Teerablagerungen Trinkwasser für zig-tausend Menschen. Unmittelbar neben dem Delta der Goldach liegt das Freibad Seegarten Goldach.
Der Bodensee hat Blähungen
Montag, 29. Juli 2002
Goldach - Im Delta der Goldach auf der Grenze zwischen den Kantonen Thurgau und St. Gallen, wo Kinder baden, Fischer fischen und die Stadt St. Gallen Trinkwasser fasst, liegen auf dem Grund des Bodensees teerhaltige Abfälle. Luftblasen steigen auf - und das seit 42 Jahren.
gä/sda