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«Alles geschah so unvorstellbar schnell»

Die Trauer um das Verlorene wird Eriswil noch lange begleiten.
Samstag, 9. Juni 2007
Eriswil BE - Überall Dreck, Schlamm, Äste und Geröll. Das sonst so zahme Schwendibächlein hat am Freitagabend eine Spur der Verwüstung durch das beschauliche Emmentaler Dorf Eriswil gezogen. Viele verloren Hab und Gut. Eine Frau starb sogar in den Fluten.
Nach langen, grauenvollen Nachtstunden, wo man dem Wasser vergeblich zu wehren suchte, ist man in Eriswil am Samstag morgen dabei, zu retten, was von Haus und Hof noch übrig geblieben ist.

Schock sitzt tief

Hausrat, Maschinen, Autos, Keller, Stuben, Küchen, Scheunen, Strassen: alles ist mit einer graubraunen Schlammschicht überzogen, die mit beginnender Tageshitze steinhart wird und zu stinken beginnt. Still und bedrückt gehen die Menschen ans Werk, der Schock sitzt tief. Alle wissen, die furchtbare Sturmnacht hat im Dorf ein Todesopfer gefordert.

So etwas habe man noch nie erlebt, berichten viele. Unvorstellbar schnell sei das Wasser da gewesen und habe mitgerissen, was nicht niet- und nagelfest war: ganze Bäume, Autos, ja selbst tonnenschwere Betonplatten.

Häuser unterspült

Zwei Häuser im Dorfzentrum stehen zwar noch, aber nur auf Bruchstücken ihrer Fundamente. Untendurch rast der noch immer wilde und dreckigbraune Bach. Die Familien mussten ihr zu Hause fluchtartig verlassen. Vielleicht für immer.

Schlimm sieht es auch in der Schreinerei von Walter Käser aus. Der wütende Bach hat die Werkstatt verwüstet. Ob das Haus stehen bleiben kann weiss Käser noch nicht. Die Schreinerei, die Grundlage seiner Existenz und diejenige seiner sechs Angestellten, wurde von den Fluten jedenfalls zerstört.

Ratlos blickt Käser auf das Chaos rundum. «Keine Ahnung, ob ich das mit 58 nochmals alles aufbauen werde».

Gräben ausbaggern

Aus einem nahen Haus schleppt eine alte Frau müde und mühsam Kessel um Kessel Dreck. Die schweren Schuhe, Rock und Schürze sind mit Schlamm verklebt. Traurig blickt sie auf das, was vor Stunden noch ein blühender Garten war. Nun stapelt sich dort Schwemmgut, Holz, Hausrat, Abfall, Steine und Geröll.

Überall im Dorf rattern schwere Baumaschinen. Sie wurden seit den Morgenstunden aus der ganzen Umgebung ins Schadengebiet gefahren. Zu allererst müssen die verstopften Bäche und Gräben freigeräumt werden, damit ein nächstes Gewitter nicht noch grösseren Schaden anrichten kann.Etwas Trost und Halt gibt den Betroffenen die grosse Solidarität in der Bevölkerung. Wer sich auf den Beinen halten kann, hilft beim Schaufeln, Räumen und Baggern. Von überall her treffen bei den betroffenen Gemeinden Hilfsangebote ein.

Doch trotz Hilfe, guten Worten, Spenden und Solidarität: die Trauer um das Verlorene wird die Menschen in Eriswil noch lange begleiten.