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Südseestaat Kiribati droht zu versinken

Der Präsident richtet wegen der Klima-Flüchtlinge einen dramatischen Appell an Neuseeland und Australien.
Das Atoll könnte Ende des Jahrhunderts unter Wasser stehen.
Samstag, 7. Juni 2008
Dramatischer Appell des Präsidenten über Klima-Flüchtlinge Auckland/Bairiki - Nach dem drohenden Untergang des Inselstaats Tuvalu richtet nun das Nachbarland Kiribati einen dramatischen Appell an Australien und Neuseeland.
Der kiribatische Präsident Anote Tong bittet darin Australien und Neuseeland sich der Klimaflüchtlinge aus seinem Land anzunehmen, berichtet der neuseeländische Fernsehsender TV3.

Tong hatte bei einer Konferenz in Wellington unterstrichen, dass der Point-of-No-Return bei den negativen Folgen der Treibhausgasemissionen bereits erreicht sei. Das Worst-Case-Szenario für Kiribati könnte bedeuten, dass gegen Ende des Jahrhunderts die flachen Atolle unter Wasser stehen.

33 Atolle in drei Inselgruppen

Für die knapp 94'000 I-Kiribati - wie sich die Einwohner nennen - bedeutet dies, dass sie sich eine neue Heimat suchen müssen. «Die Klimaveränderung ist nicht Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern eine Frage des menschlichen Überlebens», so Tong, der an der London School of Economics studiert hat. «Dörfer, die Jahrzehnte, möglicherweise sogar hundert Jahre lang an einem Platz gestanden haben, müssen jetzt umgesiedelt werden», erklärt Tong.

Die Landfläche des aus 33 Atollen in drei Inselgruppen geteilten Staates, beträgt nur knapp 700 Quadratkilometer - allerdings verteilt auf mehr als fünf Mio. Quadratkilometer.

Mit Ausnahme der Insel Banaba, der ehemaligen Ocean Island, die sich 70 Meter aus dem Ozean erhebt, ragen die anderen Inseln nur maximal drei bis vier Meter aus dem Meer. «Die Problematik ist genau die gleiche wie in Tuvalu», meint Chris Horner, der gemeinsam mit Gilliane Le Gallic die Filmdokumentation «The Disappearing of Tuvalu - Trouble in Paradise» gedreht hat.

Minimaler Anstieg

Kiribati und Tuvalu bildeten einst die britische Kolonie Gilbert & Ellice Islands. Die beiden Inselgruppen, die eine sehr ähnliche Topographie aufweisen, sind seit den späten 1970er Jahren unabhängige Staaten im Commonwealth.

Nach Angaben der australischen National Tidal Facility sei der Meeresspiegel in den vergangenen zehn Jahren nur minimal gestiegen, wie die australische Forscherin Fiona Kotvojs bestätigt.

«Es gibt nicht einmal Beweise dafür, dass das einmal passieren wird.» Was allerdings sehr wohl passiert, und das bereitet der Bevölkerung grosse Sorgen, sind Springfluten, die immer wieder die Pflanzungen überschwemmen.

Natürlicher Lauf der Dinge?

«Die porösen Korallenböden eignen sich ohnehin nicht wirklich gut für Landbau», erklärt auch Horner. Ein weiteres Problem ist auch die Wasserversorgung. Besonders die südlichen Inseln der Gilbert-Gruppe litten in den vergangenen Jahren unter Trockenheit, wie dies Mitarbeiter des US-Peace-Corps bestätigen.

Nicht alle stimmen der Theorie vom Untergang der Inseln zu. Einige der Bewohner der Inseln kritisieren, dass die viel zitierte Bodenerosion, bei der Fluten Teile der Inseln abtragen, an anderen Stellen allerdings wieder neu auftragen, als natürlichen Lauf der Dinge.

Abfälle aller Art

«Mit Zunahme der Bevölkerungsdichte auf Funafuti, dem Hauptatoll Tuvalus, sind auch die Probleme grösser geworden», bestätigt der Pfarrer Camille DesRosiers, der seit 20 Jahren die katholische Mission in Tuvalu leitet. Dazu gehöre auch das auf beiden Hauptinseln - Tarawa und Funafuti - existierende gewaltige Müllproblem. Jedes Konsumgut, das gut verpackt hier landet, bleibt auch hier und so türmen sich auf der kleinen Landfläche Abfälle aller Art.

tri/pte