Im Ort Terespolis rund 100 Kilometer von Rio entfernt bot sich ein Bild der Verwüstung. Allein in diesem Ort starben nach Erdrutschen und Überschwemmungen 176 Menschen. Überlebende gruben im Dunkeln mit blossen Händen oder mit einfachen Stöcken nach Angehörigen und Nachbarn. Einige Menschen versuchten, sich auf Bäumen vor den Sturzfluten zu retten.
In Nova Friburgo, einer Stadt die 1820 von Schweizer Auswanderern gegründet worden war, kamen 199 Menschen ums Leben. Häuser stürzten unter dem Druck meterhoher Schlammfluten ein, Autos und Lastwagen wurden fortgespült.
In So Paulo, wo seit Sonntag etliche wichtige Strassen wegen Überschwemmungen gesperrt sind, kamen 21 Menschen beim Einsturz ihrer Häuser, in Erdrutschen oder bei Überschwemmungen ums Leben. Gouverneur Sergio Cabral rief die Marine auf, die Rettungskräfte mit Helikoptern zu unterstützen.
Lage ist chaotisch
In einigen Städten brachen die Stromversorgung und das Telefonnetz zusammen. Immer noch hatten die Rettungskräfte wegen der andauernden Regenfälle Schwierigkeiten, zu allen Unglücksorten vorzudringen.
«Tsunami, Haiti - Sie können es nennen wie sie wollen. Die Situation ist chaotisch», sagte ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter.
Hilfe versprochen
Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wollte sich in der Krisenregion ein Bild von der Lage machen. Sie stellte erste Soforthilfen in Höhe von 780 Millionen Reais knapp 400 Millionen Franken in Aussicht.
In Brasilien sind die saisonalen Regenfälle in diesem Jahr besonders verheerend ausgefallen. An manchen Orten fielen bis zu 26 Zentimeter Niederschlag in weniger als 24 Stunden. Mehr als 100'000 Menschen verloren bisher in vier südöstlichen Bundesstaaten infolge der Unwetter ihr Obdach.